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January 27, 2008

Der Buntstift ist sein Schicksal

Filed under: TV — Tags: , , — martin @ 12:12 pm

Bei “Wetten, dass…” war gestern ein Kabinettstückchen zu bewundern, bei dem ein Herr mittleren Alters die Farbe von Buntstiften erkennen konnte, anhand des schabenden Geräuschs, das entsteht, wenn damit gezeichnet wird.

Damit er das Geräusch besonders gut hören konnte, saß er mit verbundenen Augen Schulter an Schulter neben seiner erwachsenen Tochter, die für den Anfang jeweils zwei Striche quer aufs Papier zog.

Zu unterscheiden waren 36 Buntstifte. Natürlich hat er alle ausgewählten Stifte fehlerfrei “erhört”.

Die Tochter hatte die Augen nicht verbunden.

Man muß beileibe kein Genie sein, um zu begreifen, daß sich bei 36 Buntstiften die komplette zur Erkennung benötigte Information in 6 Bit verpacken läßt:

1=000001 10=001010 19=010011 28=011100
2=000010 11=001011 20=010100 29=011101
3=000011 12=001100 21=010101 30=011110
4=000100 13=001101 22=010110 31=011111
5=000101 14=001110 23=010111 32=100000
6=000110 15=001111 24=011000 33=100001
7=000111 16=010000 25=011001 34=100010
8=001000 17=010001 26=011010 35=100011
9=001001 18=010010 27=011011 36=100100

Die ersten zwei Bit lassen sich vor den Augen der Öffentlichkeit abfackeln, indem die Striche mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gezogen werden. Danach sind nur noch vier Bit an Information zu übertragen. Die lassen sich problemlos per Atemrhythmus, Räuspern, Timing zwischen den zwei Strichen, Geprächsprotokoll (“bist Du bereit?”) oder was auch immer übertragen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Für das höchstwertige Bit, das nur mit geringer Wahrscheinlichkeit verwendet werden muß, kann man sich sogar was ganz abenteuerliches, wie z.B. eine abgebrochene Spitze, ausdenken. Wenn die Übertragung der 6 Bit dann geklärt ist, beschränkt sich die Kunst nur noch darauf, die binär codierten Zahlen einer Farbe zuzuordnen.

Vater und Tochter haben mir einen einigermaßen intelligenten Eindruck gemacht und ich bin restlos und ohne den Anflug eines Zweifels davon überzeugt, daß sie Gottschalk nicht nur mit dem kleinen Buntstift-Fingerspielchen bei der Verabschiedung auf den Arm genommen haben, sondern ihn und das ganze ZDF mit ihrer Vorstellung auch noch geschaukelt haben.

Nachtrag: Unten, in den Kommentaren, finden sich sehr schlüssige Thesen dazu, wie die Codierung tatsächlich ausgesehen haben könnte. Diese lassen sich anhand der Aufzeichnung der Sendung auch auf Plausibilität prüfen.

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9 Comments »

  1. Wir haben hier nach lediglich 5 Minuten eine schlüssigere und wesentlich einfachere Erklärung gefunden: Das Geheimnis liegt nicht im Datenpaket (Strich) sondern im Header (Pause). Nachdem er sagt “ich bin bereit” zählen beide im Kopf mit, und erst nach x Sekunden fängt sie an, den Strich zu machen. 36 Stifte sind zuviele, um das ganze in einer Pause zu kodieren. Deshalb ist es sehr vorteilhaft, dass er immer mindestens ZWEI Striche machen hat lassen (die drei Striche einmal waren wohl nur zur Kaschierung, er wusste die Farbe wahrscheinlich schon nach dem zweiten!): Strich 1 kodiert die Grundfarbe, Strich 2 kodiert die Farbvariante. Dadurch multipliziert sich die Breite der kodierbaren Farben, d.h. wenn die Pause maximal 6 Sekunden sein darf (hab beim letzten Strich schonmal mitgezählt, da waren’s zuerst 4 und dann 5 Sekunden) können sie 36 Farben kodieren.
    Dass der Typ Hobbymagier ist und die 2002 schonmal mit dem bekannten “magischen Quadrat” reingelegt hat (wurde sogar Wettkönig! Warum? So beeindruckend ist das auch nicht!) ist allerdings hart! 😉
    Dass er ausgerechnet Buntstifte genommen hat sollte eigentlich bei der Redaktion Alarm schlagen (irgendwo hat’s das ja auch!), aber irgendwie scheinen die dort ein bisschen inkompetent im Ergrübeln von möglichen Beschissversuchen zu sein, wenn die auf sowas relativ einfaches nicht selber kommen! Warum haben sie ihr denn nicht mal bei den Proben (oder in der Sendung!) auch ne Brille aufgesetzt, nur zum Testen? Sie muss die Farbe ja nicht sehen sondern nur den Strich machen! Oder warum haben sie nicht testweise mal jemand anderen den Strich machen lassen? So hätte man im Vorfeld schnell eingrenzen können, wie die das machen und sie vorzeitig entlarven können!

    Vielleicht hat er aber auch einfach nur vor der Sendung LSD genommen und war in der Lage, Farben zu hören, haha! ;-D

    Comment by deekay — January 27, 2008 @ 1:11 pm

  2. Der konnte gut hören, aber die Farbe der Buntstifte bestimmt nicht.

    Seine Tochter hat bevor und nach dem Strich die Hand bei manchen Farben kurz aber deutlich über das Papier gefahren, bei anderen nicht.

    Wieviel Information kann man damit uebertragen?

    Manche Farben hatten ein “Handgeräusch” vor dem Strich, andere nicht. Manche Farben hatten kein “Handgeräusch” nach dem Strich, manche eins, und manche zwei.

    Macht also folgende 6 Kombinationen:

    0-0
    0-1
    0-2
    1-0
    1-1
    1-2

    Jeder Strich wurde zweimal ausgeführt, man kann im zweiten Strich also noch eine andere der 6 Kombinationen waehlen.

    Insgesamt mit zwei Strichen also 6*6=36 Kombinationen. “Zufälligerweise” waren auch 36 Buntstifte zur Auswahl. Jeder Kombination war also eine Farbe zugeordnet.

    Wer es nachvollziehen möchte, hier ist das Video der Wette auf zdf.de:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Wette_Buntstifte/407386 (Video kommt als Pop-Up)

    Herr Gottschalk, Sie wurden nach 20 Jahren wieder mit Buntstiften reingelegt!

    Comment by SmilingBoy — January 27, 2008 @ 1:22 pm

  3. Es waren wohl nicht die Pausen, sondern die Handgeräusche vor und nach dem Strich (0-0, 0-1, 0-2, 0-1, 1-1, 1-2) sind wohl der Schlüssel (hab mir die Pausen grad nochmal angesehen, die sind alle zwischen 3 und 5 sekunden, das müsste schon arger Zufall sein, dass keine Farbe mit 1 oder 2 Sekunden Pause dabei ist).
    6 Kombinationen zwei mal ergibt 36 Möglichkeiten für 36 Stifte.

    Bei schwarz und oliv lässt er drei Striche machen, das ist allerdings nicht zur Täuschung, sondern er lässt sich die erste (schwarz, 1-2) oder die zweite (oliv, 1-2) nochmal wiederholen. Ob Jasmin die erste oder zweite Zahl wiederholen soll kann man ja vorher durch einen ausgemachte Formulierung vereinbaren (zahllose Möglichkeiten, z.B. “nochmal” (schwarz) = erste Kombination wiederholen und “noch einmal” (oliv) = zweite Kombination wiederholen)

    Bleibt die Frage, wie er bei lila und oliv schon nach dem ersten Strich wusste, in welche Richtung die Farbe geht (“rötlich oder violett” bzw. “oliv oder grün”). Wenn es nämlich pro Versuch 6 Möglichkeiten gibt, kann er nach dem ersten Versuch es nicht schon auf zwei eingrenzen!

    Comment by deekay — January 27, 2008 @ 4:05 pm

  4. Danke für eure Kommentare!

    Ich habe mir das Video nicht noch einmal angesehen, aber die Sache mit dem Handgeräusch klingt absolut plausibel. Da sind die Informationen wohl noch dichter gepackt gewesen als ursprünglich angenommen. 😉

    Comment by binblog — January 27, 2008 @ 5:05 pm

  5. Ach ja, zum Nachsatz von deekay: Die Codierung könnte nach Farben gruppiert gewesen sein, um dem ganzen mehr Authentizität zu verleihen. So eine ähnliche Show hat der Buntstiftlecker damals auch abgezogen.

    Comment by binblog — January 27, 2008 @ 5:16 pm

  6. ja, klar, aber trotzdem kann er’s nicht schon nach dem ersten Strich auf zwei Farben eingrenzen, es MÜSSEN sechs sein, sonst sind keine 36 Kombinationen möglich!

    Vielleicht ist es ja auch eine Kombination aus Pause und Handgeräusch? 8) Längere/Kürzere Pause als zusätzliches “Bit”?
    Mir fiel allerdings auf, dass er einmal noch hastig ein “Jasmin” hintendranhängt, was die Theorie mit der Pause unplausibel macht, denn da hätte sie ja schon zu zählen angefangen..

    Allgemein wäre eine Kombination aus unterschiedlichen Faktoren allerdings erstrebenswert, weil das die Erkennung eines Musters durch Außenstehende dramatisch erschwert!

    Comment by deekay — January 27, 2008 @ 5:30 pm

  7. Also, ich muss sagen: Wahnsinns Erklärungen!!!! Egal wie lange ich dafür üben müsste, auf die Bühne würde ich mich damit nicht trauen. Nicht nur die lange Übungszeit dieser Technik, sondern vor allem die hohe Fehleranfälligkeit lassen mich davor abschrecken. Die Lösung des Kunststückes ist garantiert wesentlich einfacher.

    1. Gibt es gut 6 Möglichkeiten, die mir spontan einfallen, wie es zu 100% funktioniert. (Verraten darf und möchte ich es natürlich nicht. Ist leider so eine Sache mit dem Verhaltens- und Ehrenkodex bei Zauberern. Schade, dass sich so wenige dran halten…)

    Und 2.: Sowohl Alfred als auch seine Tochter waren während der ganzen Nummer alles andere als nervös. Auch wenn man eine gewisse Bühnenerfahrung hat, liegen bei Live-Shows die Nerven blank. Wenn mann dazu noch bescheisst und die Nummer nicht 100%ig sicher ist, wär ich nervöser als Kandidaten die wissen, was sie können.

    Ich bin gespannt wie lange es dauert, bis dieser neue Buntstift-Fall in den anderen Medien veröffentlicht wird. Stefan Raab und natürlich die “Wetten Dass…?”-Redaktion sind informiert!

    Wir dürfen gespannt sein!

    Liebe Grüße

    Euer Spoony

    Mehr Infos dazu auf: http://www.loeffelbieger.com
    und auf http://www.spooning.net/2008/01/wetten-dass-buntstift-beschiss-die.html

    Comment by Spoonbender — January 28, 2008 @ 12:17 am

  8. Der Schlüssel liegt wie oben geschrieben im Aufsetzen (bzw. Nichtaufsetzen) und Verschieben des Unterarms vor und nach dem Strichziehen. Mit einem einmaligen Hören hätte die Wette eben so wenig funktioniert wie mit verbundenen Augen beider (das wäre ja die einfachste Option für das ZDF gewesen, die Wette zu prüfen …).
    Die Frage, warum er bereits nach einem Strich eingrenzen konnte ist schnell beantwortet: Die Nummerierung der Stifte stammt vom Hersteller. Dessen Namen/Logo, Strichcode, Farbbezeichnung und Farbnummer sind auf eine der Seitenflächen der Buntstifte industriell aufgeprägt, was im Video ja ebenso zu sehen ist wie in jeder Farbstiftschachtel eines Fachgeschäfts. Buntstifte sind in der Originalverpackung nach Farben (und damit Nummern sortiert), verwandte Farben sind somit nah beieinander, die 11 eben oliv-, die 12 z.B. tannengrün usw. So kann man also bei Codierung 1 für die erste Zahl wissen, dass der gesuchte Stifte aus einem Spektrum von grün bis violett stammen muss, weil nur noch die Stifte 10 bis 19 möglich sind.
    Die Codierung durch Armbewegungen auf dem Papier lässt sich nicht zwangsläufig klar auflösen, weil man vereinbaren kann, dass das System nach zwei Stiften ändert. (So wie man einen deutschen Text zur Hälfte ins Englische, zur Hälfte ins Spanische übersetzen kann, die Rückübersetzung aber wieder ins Deutsche vollzogen werden kann.) Fest steht Folgendes: dass die beiden Striche für Stift Nr. 11 beide Male gleich gezogen wurden (ohne Armzieher davor und danach), dass die folgenden Zahlen mit unterschiedlichen Ziffern auch unterschiedlich codiert wurden (Ziffer 2= 1x/2x Wischen; Ziffer 3 = 1x/0x). Zweimal wurde ein dritter Strich gezogen (für Stift 24 und Stift 35), beide Male hat Jasmin die Wischbewegungen des zweiten Striches wiederholt, die dritte Wiederholung war also nur Schauspielerei, um das Ganze komplizierter wirken zu lassen. Bedauerlicherweise hat die Auswahl der Stifte nur eine einzige Zifferndopplung ergeben (die Ziffer 1 in 11 und 16). Hätte man mehr Ziffernwiederholungen in den Stiftnummern gehabt, wäre die Codierung besser aufzulösen.
    Wie gesagt, die einfachste Lösung wäre gewesen, wenn Jasmin ebenso wie ihr Vater eine Augenbinde benutzt hätte. Dann wäre die ganze Diskussion überflüssig, weil die Wette keine geworden wäre…

    Comment by trichter — January 28, 2008 @ 2:29 pm

  9. Ihr habt zwei Dinge übersehen: 1. Wenn man sich das Video genau ansieht fallen einem nicht nur die Wischbewegungen auf, sondern auch das ungewöhnlich unruhige Sitzverhalten von Yasmin, die sich viel zu häufig, scheinbar wohl terminiert und nur für ihren Vater hörbar bewegt. Das ist der fehlende Code, auf den auch die Kameras wie auch alle anderen kaum geachtet werden haben.

    2. Wäre es wohl mehr als ziemlich schnell zu entlarven gewesen, hätten Vater und Tochter nur eine Codierung vereinbart. Meiner Ansicht nach, haben sie schon im Vorfeld vereinbart ,wie oft jeder Strich wiederholt wird, um den Verwirrungseffekt zu steigern, der bei dieser Art Trick am wichtigsten ist und welche Wisch- und Hin- und Herbewegungen wann auszuführen sind und was sie bedeuten.

    Gruß
    Goldmann

    Comment by Goldmann — February 1, 2008 @ 5:52 pm


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