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November 8, 2009

IRC mobil, gibts ja garnicht

Filed under: Internet, iphone — Tags: — martin @ 10:51 am

Wenn ich die eine Anwendung nennen müßte, die mich auf dem iPhone am meisten überrascht hat, wäre das ja Mobile Colloquy, ein IRC-Client mit Push-Unterstützung.

Nichts erschien mir abwegiger, als IRC per iPhone zu machen, denn das IRC-Konzept mit den Channels verträgt sich ja gefühlsmäßig eher schlecht mit dem ständigen on- und offlinegehen, das durch das fehlende Multitasking des iPhone bedingt wird. Mobile Colloquy hat dieses Problem aber sehr schön gelöst, denn die bevorzugte Betriebsart ist, sich über einen sogenannten Bouncer am IRC anzumelden.

Bei einem Bouncer handelt es sich um einen IRC-Proxy, der die Verbindung zu IRC – stellvertretend für den eigenen Client – aufrecht erhält.

colloquy-push

Für Nutzer von Colloquy auf dem Mac bietet Mobile Colloquy dabei zum Beispiel auch die Möglichkeit, sich mit der auf dem Mac laufenden Colloquy-Instanz zu verbinden, diese damit quasi als Bouncer zu verwenden, und das iPhone damit zum verlängerten Arm des dort laufenden Client zu machen.

Für diejenigen, die keinen Mac mit Colloquy haben, ihn nicht ununterbrochen laufen lassen wollen, oder etwas mehr Möglichkeiten bei der Auswahl alternativer IRC-Clients für den Desktop möchten, bietet sich jedoch auch die Benutzung eines dedizierten Bouncers an. Die Colloquy-Entwickler empfehlen dazu ZNC, für den ein entsprechendes Push-Modul zur Verfügung steht. Die Installation von ZNC und dem dazu gehörenden Push-Modul unter Linux ist dabei in der Colloquy-Dokumentation beschrieben. Ich hatte hier lediglich etwas Probleme mit der unter Debian paketierten Version von ZNC. Diese mußte ich durch eine selbst übersetzte Version ersetzen, um das Modul nutzen zu können.

Ist der Bouncer einmal konfiguriert und das Push-Modul installiert und geladen, kann der Push-Mechanismus seine Vorteile voll ausspielen: Wird in einem Channel, in dem man angemeldet ist, der eigene Nickname erwähnt, erscheint eine Push-Nachricht. Nach dem Start von Mobile Colloquy bekommt man dann vom Bouncer die letzten Channel-Nachrichten zugespielt und kann direkt ins Gespräch einsteigen. Das gleiche gilt für Queries (also Chats zwischen zwei Nutzern), die ebenfalls eine Push-Nachricht erzeugen.

colloquy-replay

Verliert man die Geduld mit der kleinen Bildschirmtastatur und will am iPhone nicht länger weiterchatten, kann man dank des Bouncers auch auf den IRC-Client am stationären Rechner umsteigen, ohne daß die anderen Channel-Teilnehmer etwas davon bemerken. Ich selbst benutze neben Mobile Colloquy im Wechsel auch noch Colloquy auf dem Mac, irssi in der SSH-Session, X-Chat unter Linux und den berüchtigten Klassiker mIRC auf Windows.

Mein letzter Bouncer-Einsatz liegt einige Jahre zurück und ich bin wirklich verblüfft, was heute ohne großen Konfigurationsaufwand möglich ist. Die Installation des Bouncers erfordert zugegebenermaßen nach wie vor etwas Erfahrung mit den Linux-Konzepten im allgemeinen. Das Ergebnis ist aber gerade im Zusammenspiel mit Push und Mobile Colloquy absolut bestechend. Mobile Colloquy ist keine Krücke, sondern bringt IRC ganz einfach an neue Orte, wo man einfach garnicht damit gerechnet hätte. Vor 5 Jahren habe ich IRC noch totgesagt, heute bin ich mir diesbezüglich schon etwas weniger sicher.

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