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January 8, 2010

Harmonisierte Umlaute auf US-Tastatur

Filed under: Misc — Tags: , , , , — martin @ 11:22 am

Im Jahr 2010 will ich für mich persönlich so eine Art Coding-Offensive starten. Back to the roots, gewissermaßen. Weil ich unter anderem ein Macbook habe, auf dessen absurder deutscher Tastenbelegung das Codieren so ungefähr der größte Krampf aller Zeiten ist, wollte ich dafür wieder auf US-Tastaturbelegung umsteigen. Und das auf allen von mir benutzten Betriebssystemen: Linux, MacOS, Windows. Da ich nicht auf einer Insel lebe, auf der ich auf Umlaute verzichten könnte, ist es dabei natürlich von Vorteil, wenn die Umlaute auf den jeweiligen Systemen nicht nur irgendwie erreichbar sind, sondern einheitlich erreichbar sind.

Linux

Der Startpunkt bei so etwas muß Linux sein, denn das Umdefinieren von Tasten kann unter Linux mit xkb etwas sperrig werden. Gnome bietet netterweise direkt auf Anhieb eine Tastaturbelegung an namens: USA International (AltGr-Akzenttasten)

Damit bekommt man in etwa die hier auf Wikipedia gezeigte Tastaturbelegung mit den etwas kryptischen Zuordnungen (Groß-/Kleinschreibung bitte situativ dazudenken):

  • AltGr+P = Ö
  • AltGr+Q = Ä
  • AltGr+Y = Ü
  • AltGr+S = ß
  • AltGr+5 = €

Kryptisch, ja, aber nichts, womit ich nicht leben könnte.

Windows

Windows bietet ebenfalls eine Tastaturbelegung Englisch (USA, International) an, bei der die o.g. Tastenkombinationen ebenfalls gelten. Leider macht Windows dabei die Taste mit Apostroph und Gänsefüßchen zu einem Dead Key.

Da mich der tote Apostroph wirklich kolossal stört und es mir ausschließlich auf die Umlaute ankommt, habe ich die Tastatur auf Windows auf einfaches “Englisch (USA)” umgestellt und mir mittels des phänomenalen und von mir grob unterforderten AutoHotKey die gewünschten Tastenkombinationen generiert. Dazu habe ich in ein AHK-Script die folgenden Einträge aufgenommen:

!q::Send ä
+!Q::Send Ä
!p::Send ö
+!P::Send Ö
!y::Send ü
+!Y::Send Ü
!s::Send ß
!5::Send €

Achtung: Unter Windows ist AltGr so nicht verfügbar, darum zieht die Kombination hier mit beiden Alt-Tasten. Für mich ist das voraussichtlich kein Problem. Wer damit absolut nicht klarkommt, kann mit AutoHotKey z.B. die rechte Alt-Taste zu AltGr umdefinieren, oder die o.g. Kombinationen nur für die rechte Alt-Taste gelten lassen. Dann müssen alle o.g. Zeilen natürlich gemäß AutoHotKey-Doku auf die neue Taste abgeändert werden.

Und noch einmal Achtung: Diese Windows-Variante funktioniert nicht im Xming X11-Displayserver. Wer in dieser Beziehung größere Pläne hat, muß notgedrungen bei den Umlauten auf Copy&Paste ausweichen, oder eine andere Lösung finden.

MacOS

Unter MacOS ist die normale US-Belegung bereits um das ß auf Alt+S erweitert, sowie um “komponierte” Umlaute, bei denen man zuerst Alt+U für die Pünktchen drückt (also ¨ – echte Fans sprechen da insbesondere unter Linux auch von der Dead Diaeresis) und dann den entsprechenden Vokal hinterher, um den Umlaut zu bauen. So habe ich das von 2006 bis 2008 auch tatsächlich mal eine Weile benutzt, zusammen mit einer notdürftig hingefrickelten xkb-Anpassung für Linux.

Des weiteren kann man hier eine Hackervariante US International herunterladen, die im Internet über eine recht große Fangemeinde zu verfügen scheint, aber deren Sinn sich mir nicht so recht erschließen wollte.

Letzen Endes habe ich meine Sonderzeichen als Trigger in Quicksilver untergebracht. Die Definition des ß konnte dabei entfallen, da es sowieso schon auf Alt+S liegt.

(Die jeweiligen Zeichen können in der Quicksilver-Konfiguration so eingegeben werden: Erstes Feld: Punkt und Zeichen, das eingesetzt werden soll, dann zweites Feld: “Einsetzen”. Ist etwas repetitiv, aber in 5 Minuten durchgeklickt und runtergetippt.)

Auch auf dem Mac gilt die Einschränkung, daß keine AltGr-Taste vorhanden ist. Hier ist mir derzeit auch leider kein Workaround bekannt, eine ins Leben zu rufen. Insbesondere ist es nicht möglich, in Quicksilver nur Kombinationen mit nur einer von zwei Tasten zu konfigurieren. Mit KeyRemap4MacBook kann man aber zumindest die rechte Apfeltaste oder die Numpad-Entertaste zu einer zusätzlichen Alt-Taste umkonfigurieren.

Wie bei meiner Lösung mit AutoHotKey unter Windows gilt auch hier, daß die Umlaute nicht unter X11 funktionieren. Schade, aber wahrscheinlich zu verschmerzen.

Die Tastaturen meiner Laptops habe ich übrigens mit Stickern von 4keyboard.com auf US-Englisch umgelabelt. Hier ein Foto des Linuxsystems:

Für getestete Verbesserungen bin ich natürlich offen. Immer her damit!

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9 Comments »

  1. oh danke fuer den Tipp, aber ob ich mir die kryptischen komandos fuer die Umlaute merken kann….
    nun aber zu meiner Frage: wie zufrieden bist du mit den stickern? ich ueberlege schon seit jahren mir eine Blanke tastatur zu machen. (niemehr probleme mit dem layout 🙂

    Comment by markus — January 8, 2010 @ 2:24 pm

    • Die paar kryptischen Kommandos kann man sich schon merken, wenn man sie x-mal am Tag tippt. 😉

      Die Sticker sehen super aus, nur dauert die Lieferung aus USA wirklich ewig. Meine Frau arbeitet schon seit ca. 2 Monaten mit einem beklebten Laptop, längere Erfahrungen liegen uns leider noch nicht vor. Also bei der Bestellung rechtzeitig planen und auf Vorrat ordern. Billig genug sind die Sticker ja. 🙂

      Comment by martin — January 8, 2010 @ 2:39 pm

  2. Vergiss bei Windows den AutoHotkey Workaround, und erstell dir lieber ein eigenes Keyboardlayout mittels Windows KEyboard Layout Creator
    http://msdn.microsoft.com/en-us/goglobal/bb964665.aspx

    Comment by Josef — January 9, 2010 @ 5:38 am

    • Cool, das probier ich aus. Danke für den Tip!

      Comment by martin — January 9, 2010 @ 8:00 am

  3. Hast Du mal versucht, die Compose-Key zu benutzen?

    Da hast Du normalerweise viel leichter zu merkende Kombinationen zB.
    “a => ä
    “A => Ä
    ^e => ê
    ss => ß
    /o => ø
    ae => æ

    Außerdem sind viel mehr Zeichen definiert, die Sequenzen sind standardisiert, und Du brauchst keine dead keys.

    Geht unter Linux sowieso, für Windows geht’s mit AllChars (allchars.zwolnet.com), und ich kann mir nicht vorstellen, daß es mit Macs nicht auch geht.

    Comment by Felix — January 9, 2010 @ 1:18 pm

    • Solche Spielereien gehen mit AutoHotkey auch. Ich finde das aber eher unattraktiv. Was mache ich, wenn ich tatsächlich Gänsefüßchen gefolgt von einem A haben will? Warten? Leertaste drüchen? Und was Tastaturbelegungen angeht, ist der Mac leider erstaunlich unflexibel.

      Comment by martin — January 9, 2010 @ 1:45 pm

      • Wie gesagt, das funktioniert *ohne* dead keys.

        Du drückst erst einmal die Compose-Key, dann die Kombination.

        In meinen Augen ist das einfacher als alle anderen Lösungen, und man muß genau garnichts am Layout ändern.

        Comment by Felix — January 9, 2010 @ 3:16 pm

  4. Ich empfehle, statt einer US- eine UK-Tastatur; die hat die Vorzüge der amerikanischen und das Doppelkreuz ist auch ohne Shift zu erreichen.

    Comment by muh-muh — January 11, 2010 @ 10:34 am

  5. Hi – hatte vor ewigkeiten mal ein paar Keyboard-Configs zusammengestellt für Linux, Windows und (über eine andere Seite) für Mac – vielleist ist das ja hilfreich:

    Comment by Bernd — July 13, 2010 @ 8:09 pm


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