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March 3, 2012

Das Ende von Linux auf dem Desktop

Filed under: UNIX & Linux — martin @ 10:54 am

Mir ist, kurz gesagt, ziemlich egal, von welchem Betriebssystem meine Bash, mein Firefox und mein LaTeX geladen werden.

Und so schwänze ich schon seit bald einem Jahr die Treffs “meiner” Linux User Group, und beteilige mich auf der Mailingliste nicht mehr, weil ich dort konstant dafür angemacht werde, daß ich unterwegs ein Macbook Air mit Mac OS X benutze.

Jetzt hat es endlich den guten Linus Torvalds auf Google Plus erwischt. Er schrieb über seine Unzufriedenheit mit OpenSUSE und darüber, daß er wohl eine andere Distribution suchen muß, die auf dem Macbook Air einigermaßen rund läuft:

I gave OpenSUSE a try, because it worked so well at install-time on the Macbook Air, but I have to say, I’ve had enough. […]
.. and now I need to find a new distro that actually works on the Macbook Air.

Hier einige der Expertenratschläge, die er darauf erhalten hat:

“It’s pretty strange that you have a Macbook Air. One leader of free software having something very closed it’s kinda disturbing.”

“I agree, but Macbook Air? Why, oh why…please get some real hardware for men…”

“Seriously, a “Macbook Air”? Might I ask, WHY? So much for principle….”

“Who uses/buys a mac anyways?”

“why is Linus using a mac?”

“Why would you use Apple hardware anyway… :/”

“Why would you use Mac? Just get Windows, and install Linux over it, something I don’t think you can do on a Mac. Even with BootCamp.”


Der Linux-Desktop wird heute von einem Großteil seiner Nutzer instrumentalisiert, um sich selbst eine vermeintliche moralische Überlegenheit gegenüber denjenigen zu verschaffen, die vermeintlich unreflektiert einfach konsumieren, was ihnen angeboten wird. Ich wurde mit einer Diskussion über Morallosigkeit konfrontiert, weil ich ein Macbook besitze. Ob jemand den ganzen Tag 1000 Linuxserver von einer Linuxworkstation administriert, oder ob er verdammt nochmal Linus Torvalds selbst ist, spielt für diese Extremisten keine Rolle.

Mit diesem oberflächlichen Linuxzirkus, mit dieser destruktiven Feindseligkeit, bringt ihr Linux auf dem Desktop nicht voran, sondern drängt es im Gegenteil noch weiter in die Nische, aus der es schon seit 20 Jahren nur ab und an zögerlich die Nase herauszustecken versucht.

Und dabei ist Linux nur ein Kernel. Linux ist vielleicht für Linus Torvalds wichtig, muß es für uns aber nicht sein. Was zählen muß, sind übergreifende Dateiformate, offene Protokolle und freie Software.

Wer aber freie Software konstruktiv voranbringen will, darf niemanden wegen eines Teils seines Stacks ausgrenzen.

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12 Comments »

  1. Wahre Worte. Und das sag ich selber als Linux-Admin mit einem Mac.

    Comment by Ben — March 3, 2012 @ 11:41 am

  2. Ja genau, auch bei mir – mein Mac funktioniert einfach, hilft mir zuverlässig und sicher meine Aufgaben und Ideen zu verwirklichen.

    Comment by Ralph — March 3, 2012 @ 12:04 pm

  3. Ich mag mein Linux auf meinem Desktop und auf meinem Netbook und auf meinem Server.
    Klar ist die Lernkurve ne andere als bei OSX, aber für mich lohnt es sich. ICH will Linux auf meinen Rechnern benutzen,
    Es ist mir sowas von *****egal, was auf euren Rechnern läuft (außer ich soll euer Windows reparieren^^).
    Es geht mir auf die Nerven, wenn irgendwer über die Überlegenheit von seinem Betriebssystem redet, egal ob er Windowstyp, Macuser oder Linuxnerd ist,
    und die Mehrheit der anderen Linuxuser, die ich kenne, denken größtenteils auch so. Es ist ungefähr so fair die Fanboys, die Torvalds G+ Stream belauern als repräsentative
    Linuxuser darzustellen, wie die Leute, die drei nächte vorm Appstore für das neue Iphone campen als durchschnittlichen Macuser zu nehmen.
    Erklahr mir doch bitte mal, wie genau du mit deinem OSX ausgegrenzt wirst. wenn du dich tatsächlich ausgegrenzt fühlst, weil Leute aus dem Internet dich anpöbeln, dann kann ich dir leider auch nicht helfen.

    Comment by philipp — March 3, 2012 @ 2:10 pm

    • Bernd gibt hier ein dickes +1.

      Comment by Bernd — March 3, 2012 @ 6:23 pm

  4. Es ist auch die Frage zu stellen wer die extremisten sind?
    Mac User stellen sich mir häufig als Zeugen Jehovas der IT dar. Bei jeder sich denkenden gelegenheit wird erwähnt das man einen Mac, ein iPhone oder ein iPad hat und das ja viel toller ist als Linux, Windows oder Android. Das nervt unglaublich und da erwartet ihr das wir still sind? Mir stellt sich die Frage wer diesen Graben-Kampf angefangen hat.
    Andere Betriebssysteme funktionieren mindestens ebenfalls genauso gut. Jeder hat seine Vorlieben und die meisten Fehler und gejammer sind ein Layer 8 Problem

    Comment by marc — March 3, 2012 @ 3:12 pm

  5. Ich sage zu meinen Kindern immer: zum Ärgern gehören immer Zwei. Einer der Ärger macht und einer der darauf einsteigt. Mich interessieren diese Diskussionen nicht und ich bin da auch nie eingestiegen, weil es mir egal ist was andere so machen. Sie müssen damit arbeiten und wenn es für sie klappt – fein! Andererseits mache ich mein Ding und wenn es jemanden interessiert gut, wenn jemand eine andere Meinung hat – auch gut.

    Comment by Joern — March 3, 2012 @ 3:26 pm

  6. Tjoa, Extermisten sind allerorts einfach nur scheiße und das ist eine extremistische Einstellung.

    Mit dem Mac ist das halt, wie mit einem Porsche: Nicht argumentierbar. Man hat Bock drauf oder halt nicht. Manche entkernen ihren Porsche und machen einen Rennwagen draus, andere betreiben ihren Mac mit Linux. Wieder anderen gefällt er so, wie er ist. Doch alle haben eines gemein: Sie kennen Leute, die einfach nicht drauf klar kommen, dass man halt lieber nen Porsche fährt, als nen Cadillac oder nen Lambo oder nen Opel Corsa.

    Comment by drjackyl — March 3, 2012 @ 5:40 pm

  7. Was das Macbook Air angeht gebe ich dir Recht. Allerdings ist das _nicht_ nie und nimmer das Ende von Linux auf dem Desktop und es gurkt auch nicht seit 20 Jahre auf einem Fleck Rum, es tut sich sehr viel, aber ich denke, dass weißt du selber…

    Comment by Bernd — March 3, 2012 @ 6:20 pm

  8. […] Das Ende von Linux auf dem Desktop […]

    Pingback by Protokoll vom 03. März 2012beiTrackback — March 7, 2012 @ 2:22 pm

  9. Unter den Linuxnerds gibt es viele Querolanten, die aus Prinzip nicht von einem Konzernriesen (Microsoft) zum Nächsten (Apple) schwenken wollen, in allen Belangen. Teilweise zähle ich mich auch dazu, aber aus anderem Hintergrund: Als Quereinsteiger von Windows zu Linux bin ich von der erfahrenen Konzernpolitik Microsofts “schwer angeschlagen”. Die logische Konzequenz ist ein agressives abblocken jeglicher Angebote anderer mächtigen Konzerne.

    Comment by Schroeffu — June 4, 2012 @ 5:31 pm

  10. Extremisten – kann ich bestätigen. Und Klugscheißer ohne Ende – ganz schlimm sind die von Mandriva und Mageia. Und es ist wirklich egal, welches Betriebssystem die Anwendung lädt unf ob es modern aussieht und optisch was hermacht. Schnell muss es sein und laufen muss es, und das tut mein xubuntu, mein opensuse und mein -na?- mein altes XP.

    Comment by oops — September 23, 2012 @ 11:56 pm

  11. Die unterschiede der einzelnen Betriebsysteme sind weniger technischer als viel mehr Ideologischer Natur. Auf allen Systemen lassen sich mehr oder minder gleichwertige Software lauffähig betreiben. Das bestimmte Systeme in anderen Bereichen mehr Punkten als dritte ist ebenfalls bekannt. Ich glaube das die Diskussion welches System immer mehr in den Hintergrund tritt. Heute ist die Frage eher “lage ich meine Daten/Inhalte bei Google oder bei Microsoft oder bei Facebook oder bei Apple oder bei …”.
    Mit einem alten oder technisch nicht ganz auf der höhe befindlichen System kann jeder dennoch Arbeiten. Offline sein ist da schon ein deutlich größeres Problem. Der Streit um Apple hat mehr was dem Image zu tun als mit der Hardware/Software.

    Comment by Kerstin — April 24, 2013 @ 10:24 am


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