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April 30, 2012

Esperanto von 0 auf 100

Filed under: Esperanto — martin @ 9:07 am

Heute will ich euch mal erzählen, wie ich in diese Sache mit Esperanto reingerutscht bin.

Vor ein paar Jahren hatte ich schonmal einen CRE-Podcast mit Tim Pritlove und Martin Haase über Sprachen im allgemeinen gehört. Das müßte CRE041 gewesen sein. Damals ging es schon um Esperanto und andere Plansprachen, aber so richtig auf mein Radar war Esperanto da noch nicht geraten.

2011 kam Martin dann mit seinem eigenen Podcast raus, und da ging es bei 1337kultur 8 im Gespräch mit Thomas Würfel und Felix Zesch fast ausschließlich um Esperanto, mit dem Vorschlag, sich einmal mal einen Account auf lernu.net zu klicken. In einem Abend könne man die ersten Lektionen durcharbeiten, und nach 1-2 Abenden könne man schon mit anderen Esperantisten chatten.

Zwischenzeitlich hatte ich einen Artikel über japanische Globalisierungsgegner gelesen, die die Polizei verwirren, indem sie Esperanto sprechen. Soviel Subversion gefällt mir. Wo sonst gibt es schließlich eine Geheimsprache, deren Sprecher sich regelrecht darum reißen, sie an neue Sprecher weiterzugeben?

Ganz so einfach war das mit dem Chatten natürlich nicht, aber mit dem Wörterbuch in der Hand kann man sehr bald einfache Sätze bilden und auf niedrigem Niveau Erfolgserlebnisse haben. Man muß dazu wissen, daß es zu der Zeit noch kein Google Translate für Esperanto gab. Wir hatten in diesen schweren Zeiten ja nichts als Wörterbuch und Grammatik zur Hand. 😉

Nachdem ich mich also Mitte Juli 2011 bei lernu.net angemeldet hatte, hatte ich dann tatsächlich bereits Anfang August mein coming-out als Esperantist auf Google Plus und Twitter. Und die Reaktion war überwältigend: Sobald man sich online als Esperantosprecher zu erkennen gibt, öffnet sich schlagartig die Tür nach Esperantujo, also in die Esperanto-Welt, und man gewinnt täglich neue Kontakte aus wirklich allen Winkeln der Erde. Seit Ende August 2011 schreibe ich auf Google Plus, nachdem Esperantisten gemeckert hatten, ausschließlich auf Esperanto, sehr zum Leidwesen meiner deutsch- und englischsprachigen Kontakte.

Anfang 2012 habe ich angefangen, mit anderen Esperantisten Google-Hangouts zu machen. Bei diesen Gelegenheiten habe ich zum ersten mal wirklich Esperanto gesprochen. Im Frühling 2012 bin ich Mitglied des Esperanto-Weltbundes geworden und habe erstmals die Esperanto-Treffs in der benachbarten Großstadt besucht.

Ist die Tür erst einmal offen, ist man zwischen zwei Welten hin- und hergerissen: Während Freunde und Kollegen nicht müde werden, einem zu bescheinigen, daß kein Mensch Esperanto spricht, fragt man sich, wie man es so lange nicht auf dem Schirm haben konnte. Vom vim-Editor, über Firefox, den Gnome-Desktop und OpenOffice, bis zum Liquid Feedback der Piratenpartei ist es einfach überall. Und nicht nur die alternative Netzszene spricht Esperanto, sondern auch Facebook kann man auf Esperanto umstellen.

Wie schwer oder leicht ist es nun, Esperanto zu lernen? Ich denke, wer einigermaßen begeisterungsfähig ist und es schafft, 2-3 Wochen lang jeden Abend eine oder zwei Lektionen zu klicken, ist schnell an einem Punkt, wo die Grammatikregeln “drin” sind und es rasant vorwärts geht.

Abzuraten ist, um den Artikel zum Ende zu bringen, von Google Translate, das nicht aufgrund von Grammatik, sondern aufgrund von Statistik übersetzt. Die Esperanto-Grammatik hat wenige Regeln, kennt keine Ausnahmen, und ist dem Geholze des Google-Werkzeugs haushoch überlegen. Der eigene Wortschatz kann quasi nebenher aufgebaut werden. Man ist schließlich nicht in der Schule und kann beliebig viel nachschlagen. 🙂

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1 Comment »

  1. sehr inspirierender artikel. danke dafür.

    Comment by philipp — April 30, 2012 @ 1:30 pm


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