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April 26, 2014

Microsoft und Oracle könnten wir für sowas wie Heartbleed in Regress nehmen

Filed under: Open Source — Tags: , , , , , — martin @ 3:36 pm

heartbleedEin Satz, gesprochen von einem Kunden, der es besser wissen müsste, als das Heartbleed-Debakel bereits seinen Höhepunkt überschritten hatte:

“Microsoft und Oracle könnten wir für sowas wie Heartbleed in Regress nehmen.”

Obwohl der Ausspruch sich für jeden mit mehr als 4 Wochen Erfahrung in der EDV schon von selbst ins richtige Licht setzt, habe ich heute Zeit, etwas darüber zu schreiben.

Warum kann man ein Open-Source-Projekt wie OpenSSL nicht haftbar machen für schwerwiegende Fehler, die für erheblichen personellen Aufwand und Vertrauensverlust bei den Kunden sorgen?

Na, das weiß doch jeder. Das ist ganz einfach nachzulesen in der Lizenz, wie bei jedem Open-Source-Projekt. OpenSSL steht unter der OpenSSL-Lizenz. Dort heißt es:

openssl

Das wäre also erwartungsgemäß geklärt. Jede Gewährleistung wird ausgeschlossen. Ihr kennt das. So ist das eben bei Frickelsoftware von unbezahlten Bastlern aus dem Hobbykeller.

Mit vernünftiger kommerzieller Software müsste man sich sowas nicht antun. Oder vielleicht doch?

RedHat

Bevor wir zu Microsoft und Oracle gehen, schauen wir mal nach dem Linux-Distributor, über den mein Kunde sein OpenSSL-Paket installiert hatte. RedHat hat ein “Enterprise Agreement” oder zu deutsch “Geschäftskundenvertrag”:

redhat

In Punkt 8.1 wird dort die Haftungsobergrenze zunächst auf 45000 Euro festgelegt. In den folgenden Punkten wird dann festgelegt, dass RedHat außer bei Vorsatz für keinerlei Schäden haften wird. Gefolgt wird das ganze vom gezeigten Punkt 10.2, in dem jegliche Gewährleistung ausdrücklich ausgeschlossen wird.

Microsoft

Weiter zu Microsoft. Hier habe ich mir die Lizenbestimmungen für Windows 2012 Server in der “Datacenter Edition” angeschaut:

microsoft

Ähnlich wie Redhat setzt Microsoft in Punkt 23 eine Haftungsobergrenze. Diese erstreckt sich maximal auf den Betrag, der für die Software bezahlt wurde. Eine weitere Haftung für Schäden jeder Art wird ausgeschlossen. In den folgenden Garantiebestimmungen wird zugesichert, dass die Software im wesentlichen wie beschrieben funktionieren und bei Bedarf kostenlos nachgebessert werden wird. Für den Fall, dass sie nicht nachgebessert werden kann, wird die Rückgabe des Kaufpreises zugesagt, selbstverständlich nicht ohne die Bedingung, dass die Software in diesem Fall deinstalliert werden muss. “Dies sind Ihre einzigen Ansprüche.” Es gibt also de-facto überhaupt keine Ansprüche.

Oracle

Für Java gilt das “Oracle Binary Code License Agreement for the Java SE Platform Products and JavaFX”:

oraclejava

Oracle gibt in Punkt 4, ähnlich wie das die meisten Open-Source-Lizenzen tun, überhaupt keine Garantie für Java und setzt in Punkt 5 pro forma eine Haftungsobergrenze von 1000 US-Dollar und schließt vor allem jegliche Haftung aus.

Egal, wieviel gutes man über Oracle sagen will oder nicht, zumindest sind sie hier so nah an den Open-Source-Lizenzen dran, dass ihre Formulierungen klar auf den Punkt kommen.

Fazit

Wir sehen, dass nicht nur lächerlich geringe Haftungshöchstgrenzen zum Geschäft gehören, sondern dass selbstverständlich jede Gewährleistung grundsätzlich ausgeschlossen wird. Das hier ist kein Märchen von Fanatikern aus der Open-Source-Szene, sondern die simple Wahrheit, die jeder einfach selbst nachlesen kann.

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April 14, 2014

Die Täuschung

Filed under: Open Source, Paranoia, Sicherheit — Tags: , — martin @ 7:15 am

heartbleedDer Begriff “Perfect Forward Secrecy” ist in dieser Zeit enorm populär. Ohne geht es einfach nicht mehr. Perfect. Perfektion. In Teilbereichen der Informationsverarbeitung ist Perfektion möglich. “Höchste Vollendung in der technischen Beherrschung und Ausführung von etwas. Vollkommene Meisterschaft.” (Duden)

Es scheint, als hätte es einen ähnlich absoluten Begriff wie “Wired Equivalent Privacy” nie gegeben. Es ist 2014 und Perfektion in Algorithmen und Software ist möglich.

Mitten in dieses Idyll platzt ein profaner und in wenigen dürren Worten beschreibbarer Bug in OpenSSL, bei dem ein paar Kilobyte aus dem Speicher des Webservers abgegriffen werden können. Das bedeutet: Updates installieren, SSL-Zertifikate tauschen, Kunden auffordern, ihre Passwörter zu ändern. Unangenehmes Zeugs.

Aber mit welcher Wahrnehmung. Der Super-GAU (noch dazu der “erste des Internets”) ist da. Der Horror-Bug. Die 11 auf einer Skala von 10. Und dabei ist es doch nur ein Bug, ein Implementierungsfehler, den ein normaler Mensch an einem normalen Tag in den Sand gesetzt hat.

Wer wirklich geglaubt hat, dass es Perfektion geben kann, dass in Sicherheit und Software so etwas wie Vollkommenheit existieren kann und dass man existenzielle Dinge von Perfektion in äußerst komplexer Software wie OpenSSL abhängig machen darf, sollte sich glücklich schätzen, wenn er rechtzeitig durch Heartbleed schonend auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde, ohne dass jemand an Leib und Leben Schaden genommen hat.

Macht weiter. Bleibt so sicher, wie ihr es im Hier und Jetzt könnt. Fallt nicht auf falsche Versprechungen rein. Lasst die Finger von der verdammten Hybris.

Alles ist nicht nur genauso in Ordnung, wie vor dem 7. April 2014, sondern sogar besser.

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