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August 30, 2009

Wired, Juli 1997: The Long Boom

Filed under: Paranoia, Technology — Tags: , , — martin @ 12:19 pm

Beim Umziehen und Aufräumen fielen mir die Ordner mit archivierten Zeitschriften in die Hand. Zentnerweise Altpapier habe ich weggeschmissen. Ich wußte aber, daß sich irgendwo ein ganz besonderes Schätzchen verstecken müßte. Und tatsächlich:

thelongboom

Wir hatten 1997 ja nichts. Es gab kein Slashdot, kein Digg, keine Blogs, kein Twitter, keine Wikipedia. Na gut, wir hatten das Usenet. Google gab es übrigens auch noch nicht. Aber für den echt allerheißesten und visionären Shice gab es das Leitmedium WIRED. Erhältlich als Import am Bahnhofskiosk für 17 Deutsche Mark.

Im Juli 1997 werden in WIRED sensationelle technische Neuerungen beworben, wie z.B. der Apple Powermac 9600/200MP mit 2x200MHz. Auf vielen Werbebildern (und die gab es in WIRED wirklich im Überfluß) sieht man Röhrenmonitore, bei denen man sich fragen muß, wie die Statik gängiger Wohnungen das jemals ausgehalten haben kann.

WIRED stand auf jeden Fall an der Speerspitze so einer Art digitaler Revolution. Und WIRED sagte damals im Essay “The Long Boom” eine digitale Revolution voraus, die der Menschheit über Jahrzehnte Freiheit, Frieden und Wohlstand bringen würde.

Der Boom fällt aus. Das wissen wir hier in der “zivilisierten” Welt, und das wissen auch die ganzen armen Schweine in der dritten Welt, die heute so wenig zu beißen haben, wie vor 12 Jahren. Aber es kann ja auch sein, daß die ganzen Afrikaner eh nicht gemeint waren, als von “a better environment for the whole world” die Rede war. Davon, daß für jedes neue Gadget, das man sich kauft, ein Gorillababy abgemurkst wird, will ja auch keiner was wissen.

Auch WIRED wußte natürlich, daß möglicherweise doch nicht alles nach Plan laufen könnte und so wurden gleich “10 Scenario Spoilers” umrissen, die so genau den Nagel auf den Kopf treffen sollten, daß es heute schon fast erschreckend wirkt. Ich zähle mal nur die auf, die eingetreten sind:

2.
New technologies turn out to be a bust. They simply don’t bring the expected productivity increases or the big economic boosts.

3.
Russia devolves into a kleptocracy run by a mafia or retreats into quasicommunist nationalism that threatens europe.

6.
Major rise in crime and terrorism forces the world to pull back in fear. People who constantly feel they could be blown up or ripped off are not in the mood to reach out and open up.

8.
Energy prices go through the roof. Convulsions in the Middle East disrupt the oil supply, and alternative energy sources fail to materialize.

10.
A social and cultural backlash stops progress dead in its tracks. Human beings need to choose to move forward. The just may not…

Die Vorhersage über den “Long Boom” ist nicht eingetreten, aber die “Scenario Spoilers” haben den Nagel wirklich auf den Kopf getroffen. Herzlichen Glückwunsch dazu. 😦

August 3, 2009

Schlecht gewartet: Das Netz.

Filed under: Paranoia, Politics — Tags: , — martin @ 7:31 pm

Tja, was soll ich sagen? Seit ich Twitter benutze, ist hier wirklich der Hund begraben. Der Zwiespalt in mir, hinsichtlich meiner Online-Aktivitäten, ist dabei nicht gerade kleiner, sondern umso größer geworden.

Auf der einen Seite finde ich es massiv schlecht, nicht mit meinem Namen für meine Meinung in der Öffentlichkeit zu stehen. Auf der anderen Seite habe ich nach wie vor gewaltige Angst davor, für irgendeine impulsiv gemachte Meinungsäußerung abgeschossen zu werden, sei es durch Abmahnung, oder durch das Andichten eines Straftatsbestands.

Wenn ich mir meine alten Blogposts aus der Zeit von 2003 bis 2007 anschaue, macht mich das regelrecht traurig. So schön “unschuldig” wie damals wird es nie mehr werden. Es ist seit 2003 ja auch viel passiert: Die CDU ist drangekommen, Vorratsdatenspeicherung, Zensurerleichtungsgesetz, ein Klima, das von reichlich Angst geprägt ist, und das nicht nur im Netz, sondern z.T. auch im richtigen Leben in der Außenwelt. Das hätte vor nur 5 Jahren wirklich niemand gedacht.

Die Frage ist, was kommt als nächstes? Lohnt es sich, am anonymisierten Internet in Gestalt von I2P oder Freenet zu arbeiten, oder wird das gleich als nächstes unter Strafe gestellt? Muß man damit rechnen, unter Kinderpornoverdacht die Bude durchsucht zu bekommen, weil man an einem Anonymisierungsnetz teilgenommen hat? Und wenn nicht heute, wann dann?

Freund P. hat Anfang der 1990er zu mir gesagt, daß er glaubt, daß dieses neumodische “Internet” eines Tages zu einem Einwegmedium mit Rückkanal verkommen wird. Und ich glaube, er wird recht behalten, denn Einzelpersonen mit ihren Meinungen und Beiträgen sind hier zwar von den “Peers” gefragt, aber von staatlicher Seite nicht mehr erwünscht.

Mit der Umgestaltung des Internet zum bürgerrechtsfreien Raum geht die Erwartung einher, daß man das Netz brav zum Bestellen von Konsumgütern und konsumieren der Produkte des professionellen, gleichgeschalteten Qualitätsjournalismus benutzen soll, aber nicht, um eigene Inhalte zu verbreiten. Das fängt bereits bei den mageren “Uploadraten” der DSL-Provider an und setzt sich fort in den juristischen Fallen, die an jeder Ecke im Netz lauern. Und zu all dem spricht die blonde Frau auf den Bildschirm vom Internet als rechtsfreiem Chaosraum, der endlich mal reguliert werden sollte.

Das Internet, in das ich 1995 meine erste Homepage raufgeladen habe, ist unterdessen irgendwo in der Zeit zwischen Otto Schily und Jörg Tauss sanft entschlafen. Friede seiner Asche.

Aber auch die Mailboxnetze, in denen ich Anfang der 1990er aktiv war, werden nur noch von einer handvoll beinharter Freaks am Leben gehalten. So beschränke ich mich im Moment aufs Abwarten, was wohl als nächstes kommt. Es wäre schön, wenn wir wieder ein Kommunikationsmedium bekämen, auf das man sich mit Haut und Haaren einlassen kann, ohne sich hinter anonymen Bloghostern und Hotmail-Adressen verstecken zu müssen.

Hoffentlich lohnt sich das Warten irgendwann.

(Vielversprechend finde ich derzeit den Mesh-/Freifunkbereich, aber hier im ländlichen Raum bleibt so etwas wohl auf Jahrzehnte eine Utopie.)

Es wird an dieser Stelle auch in Zukunft noch Blogposts geben, keine Angst. Aber der Vision, mit dem Netz in der Hand irgendwas in der Welt verändern zu können, gebe ich mich nicht mehr hin.

March 21, 2009

Zensur als Anfang

Filed under: Internet, Paranoia — martin @ 7:56 am

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann sehe ich die Debatte über Internetzensur ja auch ein wenig als Chance für den Aufbau weniger zentralistischer Strukturen, als sie sich gegenwärtig im Netz herausgebildet haben.

Das könnte anfangen bei Community-Rootservern mit 10, 20, 100, 1000 Nutzern, wo sich viel Kommunikation auf der lokalen Festplatte abspielt (ich kann mich aus der Zeit um 1992/93 an Mailbox-Stammtische mit 20 oder 30 Besuchern erinnern), bis hin zur Ausbildung starker und performanter Darknets. Schade dabei wäre, daß wir dann auch de-facto wieder zu den Verhältnissen der frühen 1990er zurückkämen. Eine kleine Elite hätte unregulierten Zugriff zu allen denkbaren Informationen, während der kleine Mann auf der Straße glauben müßte, was in der Zeitung steht was ihm im gefilterten Teil des Internet zugänglich ist.

Die tolle Vision von der Demokratisierung der Information durch das World Wide Web, die wir mal hatten, als wir aus unseren Mailboxnetzen per Gateway Mails ins Internet verschickt haben, ist eh im Eimer, daran brauchen wir uns nicht länger festzuhalten.

January 18, 2009

Gib dem Affen Zucker!

Filed under: Paranoia — Tags: , , — martin @ 12:38 pm

“Al-Qaida”-Drohung gegen Deutschland. Jawoll! In 8 Monaten ist Bundestagswahl.

December 4, 2008

Using a USB key for the LUKS passphrase

Filed under: Paranoia, UNIX & Linux — Tags: , , — martin @ 10:43 pm

When I had installed my notebook with Ubuntu 8.04 “Horny Hard-on”, I had opted to put the /home filesystem onto an encrypted partition on /dev/sda4. However, after a few months, entering the passphrase after turning on the computer doesn’t seem to be that attractive anymore. I have therefore decided to try to store the passphrase on a spare USB key.

This is how I migrated my LUKS container to a passphrase stored on USB media.

First, I filled the USB key with random data:
# dd if=/dev/urandom of=/dev/sdc

Then, I siphoned off 256 bytes from the USB key, to be used as the passphrase:
# dd if=/dev/sdc of=/home/martin/foo.key bs=1 count=256

foo.key is required temporarily. You may keep a copy of it stored in a safe place, or you may leave the interactive password in place as a fall-back measure. Which is what I’m doing.

The new passphrase can be added to the LUKS container like this:
# cryptsetup luksAddKey /dev/sda4 /home/martin/foo.key

Cryptsetup asks for “any passphrase”. That is one of the numerous possible passphrases that may be assigned to a LUKS device at once. Such as the interactive passphrase that is already in place.

When the new passphrase has been added, foo.key can be deleted.

Next, I determined the USB id of my USB key:
# ls -l /dev/disk/by-id/ | grep sdc
lrwxrwxrwx 1 root root 9 2008-12-04 21:31 usb-LG_XTICK_AAAAAAAAAAAAAAAAA-0:0 -> ../../sdc

I found that I needed a little helper script that extracts 256 bytes from the USB key and pipes them to stdout:

#!/bin/bash
# Script: /usr/local/sbin/dd-luks-key.sh
if [ -e $1 ]
then
dd if=$1 bs=1 count=256
fi

And now the change to /etc/crypttab:

# Old entry; ask for password:
#sda4_crypt /dev/disk/by-uuid/aaaaaaaa-bbbb-cccc-dddd-eeeeeeeeeeee none luks
# New entry; execute the keyscript with the USB id as the argument:
sda4_crypt /dev/disk/by-uuid/aaaaaaaa-bbbb-cccc-dddd-eeeeeeeeeeee /dev/disk/by-id/usb-LG_XTICK_AAAAAAAAAAAAAAAAA-0\:0 luks,keyscript=/usr/local/sbin/dd-luks-key.sh

That’s it. I can now reboot with the USB key plugged in and observe how the system automatically mounts the LUKS container. The USB key is not partitioned, so Gnome will not automatically mount it. It can just be pulled anytime after bootup.

If I had chosen to delete the interactive passphrase, which is stored in key slot 0:
# cryptsetup luksDelKey /dev/sda4 0

Be advised that this is no real-deal tough-minded security, but something that will protect the machine only against the type of attackers (e.g. thieves) who are out for your hardware but not for your data. Don’t leave the USB key close to the laptop. Use this responsibly. Thanks!

I’m not conviced that I will stick with this, as it’s far below my usual standard of paranoia. Nevertheless, I have gained a few nice insights into the LUKS system.

November 26, 2008

Great Firewall of Germany

Filed under: Paranoia — Tags: — martin @ 7:13 am

Kinderporno-Seiten sperren, um Kinder zu schützen. Das ist so ungefähr das lächerlichste, was ich jemals gehört habe.

Wenn ich mir allein schon core.onion (wurde scheinbar kürzlich umgebaut) oder Toogle ansehe, bekomme ich Panikattacken, daß ich aus versehen den falschen Link anklicken könnte. Wenn ich mir die Foren auf irgendwelchen Hidden-Tor-Servern anschaue, könnte ich kotzen, wie die Perversen sich gegenseitig Legitimation für ihre kranken Hirne zusprechen.

Mit anderen Worten: Diese Filterung kann keinerlei Effekt haben. Und ich bin sicher, die Bundesregierung weiß das. Wirkliche Erfolge, wie z.B. die Festnahme dieses Kanadiers vor einigen Monaten, erfordern Polizeibeamte. Aber jeder Unternehmer weiß, wie die lästigen Personalkosten bisweilen drücken können. Darum zeigt man jetzt mit diesem Filterkram ein wenig Aktionismus, der die allerdümmsten Konsumenten vom Pornosurfen abhält. Kein einziges gequältes Kind wird dadurch geschützt.

Sperrungsverfügungen für Naziseiten (gerade im Moment bin ich in Tor über eine Seite mit Liedern von Nazi-Bands gestolpert), Filter für Kinderpornographie. Für mich steht außer Frage, daß es sich nur um Probeläufe für ein Zensur-Framework handelt, mit dem sich Provider daran gewöhnen sollen, auf Zuruf Seiten zu sperren.

Wer ist als nächstes und übernächstes an der Reihe?

October 23, 2008

Privatleute raus aus dem Internet!

Filed under: Paranoia — Tags: — martin @ 9:48 pm

Ich hab’s schon länger befürchtet – so in etwa seit es damit losging, daß es sich bei privaten Homepages um impressumpflichtige “geschäftsmäßige Dienste” handeln soll: Es gibt Kräfte in unserem Land, die daran arbeiten, private Inhalte aus dem Internet zu verbannen oder zumindest so weit zu regulieren, daß es sich niemand mehr leisten kann, unkontrolliert Informationen für die Öffentlichkeit ins Netz zu stellen.

Die sogenannte “Pflichtablieferungsverordnung” (siehe Heise von heute), praktisch unbemerkt mal eben eingeführt (oh Gott, wie ich dieses reaktive Bloggen hasse), ist der vielleicht wichtigste Hebel dafür: Entweder Du nimmst aktiv an einer staatlich gesteuerten Zwangsarchivierung der von Dir veröffentlichten Inhalte (Webseiten incl. Archive von Mailinglisten!) teil, oder Du gibst Dich der Rechtsunsicherheit hin (wer weiß denn schon, was eine “private Website” ist) und kannst jederzeit wegen Begehung einer Ordnungswidrigkeit rechts rausgewunken und mit 10.000 Euro Bußgeld zur Kasse gebeten werden.

Ich bin froh, daß wir hier in der Bundesrepublik Deutschland den Generationen vor uns moralisch so weit überlegen sind, daß solche Regelungen niemals außer Kontrolle geraten und willkürlich gegen das Volk verwendet werden können. Das darf man getrost für ausgeschlossen halten. Wir sind hier schließlich weder bei Adolf noch bei Erich.

Meine Vermutung ist, daß wir eine große Zeit von Overlaynetzen (im Sinne von z.B. Tor oder I2P) und geschlossenen Benutzergruppen (vielleicht im Sinne der Mailboxen der frühen 1990er Jahre) vor uns haben. Willkommen im Zeitalter der offenen, grenz- und völkerüberschreitenden Kommunikation!

October 11, 2008

Soso, “De-Mail”

Filed under: Paranoia — martin @ 8:14 am

Die Bundesregierung plant also, den E-Mail-Verkehr in gewissen Bereichen staatlicher Kontrolle zu unterwerfen.

Schön und gut. Und nicht weiter verwunderlich. Aber was soll denn dieser Quatsch:

Das Format einer De-Mail-Adresse beinhaltet die Attribute “Vorname.Nachname[.Nummer]@Diensteanbieter.zertIT.de”, also beispielsweise “Markus.Meier2@web.zertIT.de”.

Sowas uninspiriertes habe ich wirklich noch nie gelesen. Sogar meine Kindergartenkinder haben doch schon eine staatliche Personenkennziffer. Die könnte man doch genau zum Zweck der Bildung einer eindeutigen Mailadresse verwenden. Für kompromißlose und doch einfache Lösungen wie diese sind die Super-Consultants von T-Systems aber wohl nicht empfänglich. Pfeifen.

October 4, 2008

Daten endlich wieder sicher!

Filed under: Paranoia — Tags: , — martin @ 9:37 pm

Da isses mal wieder (SpOn):

“Wir gingen bisher davon aus, dass diese Daten im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in vollem Umfang sichergestellt wurden”, sagte T-Mobile-Deutschland-Chef Philipp Humm.

Ich kann immer wieder nur staunen (#!/bin/blog) über den Kinderglauben, daß “geklaute” Daten durch irgendwelche Maßnahmen zurückgeholt und wieder hinter Schloß und Riegel gebracht werden können.

September 24, 2008

WordPress now Tor compliant

Filed under: Paranoia — Tags: , — martin @ 6:35 pm

Wow, I guess this is good news for a lot of people: WordPress.com now supports SSL encryption for their administration interface, so it can finally be used through Tor, without fear (correct me, if I’m wrong here!) of malicious Tor exits. Excellent.

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