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August 3, 2009

Schlecht gewartet: Das Netz.

Filed under: Paranoia, Politics — Tags: , — martin @ 7:31 pm

Tja, was soll ich sagen? Seit ich Twitter benutze, ist hier wirklich der Hund begraben. Der Zwiespalt in mir, hinsichtlich meiner Online-Aktivitäten, ist dabei nicht gerade kleiner, sondern umso größer geworden.

Auf der einen Seite finde ich es massiv schlecht, nicht mit meinem Namen für meine Meinung in der Öffentlichkeit zu stehen. Auf der anderen Seite habe ich nach wie vor gewaltige Angst davor, für irgendeine impulsiv gemachte Meinungsäußerung abgeschossen zu werden, sei es durch Abmahnung, oder durch das Andichten eines Straftatsbestands.

Wenn ich mir meine alten Blogposts aus der Zeit von 2003 bis 2007 anschaue, macht mich das regelrecht traurig. So schön “unschuldig” wie damals wird es nie mehr werden. Es ist seit 2003 ja auch viel passiert: Die CDU ist drangekommen, Vorratsdatenspeicherung, Zensurerleichtungsgesetz, ein Klima, das von reichlich Angst geprägt ist, und das nicht nur im Netz, sondern z.T. auch im richtigen Leben in der Außenwelt. Das hätte vor nur 5 Jahren wirklich niemand gedacht.

Die Frage ist, was kommt als nächstes? Lohnt es sich, am anonymisierten Internet in Gestalt von I2P oder Freenet zu arbeiten, oder wird das gleich als nächstes unter Strafe gestellt? Muß man damit rechnen, unter Kinderpornoverdacht die Bude durchsucht zu bekommen, weil man an einem Anonymisierungsnetz teilgenommen hat? Und wenn nicht heute, wann dann?

Freund P. hat Anfang der 1990er zu mir gesagt, daß er glaubt, daß dieses neumodische “Internet” eines Tages zu einem Einwegmedium mit Rückkanal verkommen wird. Und ich glaube, er wird recht behalten, denn Einzelpersonen mit ihren Meinungen und Beiträgen sind hier zwar von den “Peers” gefragt, aber von staatlicher Seite nicht mehr erwünscht.

Mit der Umgestaltung des Internet zum bürgerrechtsfreien Raum geht die Erwartung einher, daß man das Netz brav zum Bestellen von Konsumgütern und konsumieren der Produkte des professionellen, gleichgeschalteten Qualitätsjournalismus benutzen soll, aber nicht, um eigene Inhalte zu verbreiten. Das fängt bereits bei den mageren “Uploadraten” der DSL-Provider an und setzt sich fort in den juristischen Fallen, die an jeder Ecke im Netz lauern. Und zu all dem spricht die blonde Frau auf den Bildschirm vom Internet als rechtsfreiem Chaosraum, der endlich mal reguliert werden sollte.

Das Internet, in das ich 1995 meine erste Homepage raufgeladen habe, ist unterdessen irgendwo in der Zeit zwischen Otto Schily und Jörg Tauss sanft entschlafen. Friede seiner Asche.

Aber auch die Mailboxnetze, in denen ich Anfang der 1990er aktiv war, werden nur noch von einer handvoll beinharter Freaks am Leben gehalten. So beschränke ich mich im Moment aufs Abwarten, was wohl als nächstes kommt. Es wäre schön, wenn wir wieder ein Kommunikationsmedium bekämen, auf das man sich mit Haut und Haaren einlassen kann, ohne sich hinter anonymen Bloghostern und Hotmail-Adressen verstecken zu müssen.

Hoffentlich lohnt sich das Warten irgendwann.

(Vielversprechend finde ich derzeit den Mesh-/Freifunkbereich, aber hier im ländlichen Raum bleibt so etwas wohl auf Jahrzehnte eine Utopie.)

Es wird an dieser Stelle auch in Zukunft noch Blogposts geben, keine Angst. Aber der Vision, mit dem Netz in der Hand irgendwas in der Welt verändern zu können, gebe ich mich nicht mehr hin.

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February 13, 2009

Ein wenig Hochstapelei und Lügen…

Filed under: Politics — martin @ 8:10 am

…gehören für einen schwarzen Minister wohl zum Tagesgeschäft.

Kein Wunder: Halbwegs aufrichtige Menschen, die einer halbwegs ehrlichen Arbeit nachgehen, würden schließlich niemals in die Politik gehen. Jost Stollmann, der vor 10 Jahren in letzter Sekunde für die selbe Position den Rückzieher gemacht hat, erinnert sich sicher noch lebhaft daran, wie das war.

Den Herrn von und zu würde ich ja irgendwie gern dazu beglückwünschen, daß er mit 37 Jahren schon nachhaltig ausgesorgt hat. Aber wer in dem Alter seine ganze Berufserfahrung mit dem Verwalten des Familienvermögens gesammelt hat, ist über so ein Ministergehalt ohnehin erhaben. Da geht es wirklich nur noch um die blanke Machtausübung.

October 16, 2008

Rechtspopulist

Filed under: Politics — martin @ 10:08 am

Ein Rechtspopulist internationalen Ranges fährt sich in seiner Luxuslimousine tot.

Mit 150 beim Überholen auf der Landstraße.

Mit 1,8 Promille im Blut.

Es würde mich nicht wundern, wenn sie uns derzeit verschweigen, daß auf dem Beifahrersitz auch noch ein minderjähriger Transvestit ums Leben gekommen ist.

September 16, 2008

Gesetz und Ernüchterung

Filed under: Paranoia, Politics — Tags: , — martin @ 6:12 am

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, einer Podiumsdiskussion unter Juristen zum Thema “Hackerparagraph” als Zuhörer beizuwohnen. Ort und Zeit sollen hier mal unerwähnt bleiben. Mir war im vorhinein schon klar, daß dabei in der Sache nichts weltbewegendes herauskommen würde. Wie denn auch, der Paragraph steht ja schließlich schon im Gesetzbuch. Wirklich ernüchtert war ich aber über ein paar Dinge, die sich am Ende herauskristallisierten, und mit denen ich wirklich nie in dieser unverhohlenen Deutlichkeit gerechnet hätte.

Hier ein kurzes Gedächtnisprotokoll:

Alle auf dem Podium sitzenden Personen waren sich klipp und klar darüber einig, daß der sogenannte Hackerparagraph eine vollkommene Fehlkonstruktion ist.

Die Verhältnismäßigkeiten der Absätze des §202a/b/c seien inkonsistent und “so schlecht gemacht, daß jeder Verteidiger seinen Mandanten problemlos rausboxen kann.” – Daß man trotzdem zunächst ein Strafverfahren an der Backe hat und vor Gericht steht, ist den Anwälten allerdings in dieser konkreten Form erstmal egal. Ein Zuhörer fragte, ob einem solchen Verfahren nicht doch erstmal der Besuch der Polizei, früh um vier, und die Sicherstellung der ganzen Hardware vorausginge. Eine schwerwiegende Befürchtung, die mit den Worten entkräftet wurde: “Keine Angst. Die kommen nicht vor sieben.”

Die Anwälte sehen dieses nach ihrem Urteil mißlungene Gesetz in gewisser Weise sportlich. Sie finden nicht schlimmes dabei, das Strafgesetzbuch hacken zu müssen, so wie unsereins nichts dabei findet, die gerade gekaufte Hardware mit einer neuen Firmware zu flashen. Ich will ihnen nicht unmittelbar unterstellen, daß ihnen die massive Rechtsunsicherheit in der Sicherheits-Community egal ist, aber ein siegessicherer Anwalt allein macht noch keinen Freispruch.

Es gab bisher zwei Verfahren nach §202c, die in kürzester Zeit eingestellt wurden: Eine Anzeige gegen das BSI und eine Selbstanzeige. Ich habe leider vergessen, nach Diskussionsende nochmal Details zu erfragen.

Im Saal fand sich nur ein einziger offener Befürworter des §202c, der aber aufgrund seiner etwas haarigen Argumente nicht unbedingt meinungsbildenden Einfluß hatte.

Ein Zuschauer schlug vor, das Veröffentlichen von Exploits könnte z.B. dann legal sein, wenn man einen Bugfix gleich mitliefert. Was natürlich Quatsch ist. Leider war das schon ganz am Ende, so daß darauf nicht näher eingegangen wurde. Dabei war vorher schon einmal von Softwareherstellern gesprochen worden, die Fehler in ihrer Software so lange ignorieren, bis sie durch Veröffentlichung eines Exploit förmlich erpreßt werden. Das war leider ein Szenario, mit dem die Juristen nicht so sehr viel anfangen konnten.

Ein Hauch von Kontroverse kam auf dem Podium lediglich bei der Frage auf, ob das mit dem §202c in seiner Interpretationsbedürftigkeit schon so in Ordnung geht, oder ob er nicht doch nachgebessert werden sollte. Die beteiligten Informatikprofessoren wiesen unmißverständlich darauf hin, daß sich aufgrund des “Hackerparagraphen” sowohl ihre eigenen Methoden als auch das Verhalten ihrer Studenten geändert hätten. Letztere würden mitunter in Situationen Anonymität wünschen, wo ihre Vorgänger noch gern ihre Namen gesehen haben. Die Juristen meinten dazu, grob gesagt, daß die Studenten sich wegen §202c mal kein Bonbon in die Hose machen sollten.

Das Wort “Kriegswaffenkontrollgesetz” wurde übrigens auch ausgesprochen. Bullshit-Bingo!

Was habe ich gelernt: Die Juristen in Deutschland wissen, daß der Gesetzgebungsprozeß in unserem Land vollkommen im Eimer ist. Sie nehmen das ganze sportlich und sind sich einfach mal sicher, daß es schon nicht so schlimm kommen wird, wie wir Sensibelchen es laienhaft direkt aus den Buchstaben des Gesetzes herauslesen.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein einziger juristischer Laie aus einer solchen Vorstellung herausgehen kann, ohne dabei Bauchschmerzen zu haben. Als Bürger darf man sich nämlich nicht nur Sicherheit vor Straßenräubern und Terroristen wünschen, sondern auch Sicherheit gegenüber dem Staat und seinen Gesetzen. Das Gegenteil von staatlicher Willkür eben: Rechtssicherheit. Es liegt klar auf der Hand, daß diese im konkreten Fall in keiner Weise gegeben ist.

September 7, 2008

SPD-Wähler Flashback

Filed under: Politics — Tags: — martin @ 10:27 pm

Seit ein paar Wochen habe ich es vor Augen, dieses Bild.

Es ist Sommer 2002. Ein paar Wochen zuvor ist Deutschland Vizeweltmeister im Fußball geworden. Im Osten sind die Elb-Anwohner grade jämmerlich am Absaufen.

Gerhard Schröder (heute auf der Gehaltsliste von Rußland und China), Peter Hartz (heute vorbestraft) und ein halbes Dutzend weitere Pfeifen auf der Bühne.

In den Händen halten sie CDs mit dem Bericht der “Hartz-Kommission”, irgendwie medienwirksam aufgebrezelt.

Ich weiß nicht warum, aber für mich war das irgendwie der Punkt, an dem sich die Hilf- und Konzeptlosigkeit der SPD rasant zu kristallisieren begann.

August 1, 2008

Die Krise zur Bundestagswahl

Filed under: Politics — martin @ 5:38 am

Mal wieder steckt die ganze Wirtschaft in der Krise. Es handelt sich dabei ja, genau wie beim letzten Mal, nur um eine Form der Erpressung, mit der man das Volk dazu zwingen will, bloß nicht die Roten (und schon garnicht die ganz Roten) zu wählen. Schöne Scheiße. Speziell, weil die Roten nicht mehr wählbar sind und die ganz Roten es nie waren.

July 25, 2008

Jubeln für Barack

Filed under: Politics — Tags: , — martin @ 5:56 am

Eieiei. Im Kommentarforum der Online-Ausgabe der ZEIT werden nicht gerade progressive Ansichten über das Deutsch-Amerikanische Verhältnis kundgetan:

“Amerika hat Deutschland besiegt, Amerika hatte Deutschland besetzt, wir haben die Deutschen umerzogen und deshalb können wir auch heute dort noch alles machen und kriegen, was wir nur wollen und die Leute kommen trotzdem, uns zuzujubeln, dreist wenn wir uns an deren Siegessäule stellen. Lasst uns also weiter machen im Irak und sonstewo – auch da wird es klappen, ist nur eine Frage der Zeit.” Das ist meines Erachtens die Botschaft, die per Videobotschaft indie USA übermittelt werden soll.

Da ist es mal wieder. Das Trauma des 2. Weltkriegs, den wir verloren haben. Herzlich willkommen in den 1940ern.

Nein. Die Videobotschaft, die da gesendet wird, lautet: “Wir Deutschen wollen euch Amerikaner endlich wieder mögen können. Bush und seine korrupte Republikaner-Clique müssen weg.” – So geht’s sicher nicht nur mir, sondern vielen anderen auch. Und das gilt sogar dann, wenn man sich bewußt macht, daß Obama nicht der große Heilsbringer sein kann, für den ihn viele zu halten scheinen.

July 10, 2008

Neonazi Myth Debunker

Filed under: Politics — martin @ 7:04 pm

Argumente gegen Rechts:

Grundtatsache ist, dass integrierte Ausländer in Deutschland, und sie bilden die überwältigende Mehrheit, nicht öfter mit dem Gesetz in Konflikt kommen als Deutsche. Ein Viertel bis ein Drittel der Ausländer, die in der Kriminalstatistik erscheinen, sind dagegen Touristen, Illegale und alle, die ausschließlich zum Zweck ungesetzlicher Taten (Diebstahl, Raub, Drogenhandel, Prostitution und Zuhälterei, Schmuggel) ins Land einreisen. International operierende Verbrecherbanden können allenfalls in vordergründiger demagogischer Absicht mit den Ausländern verglichen werden, die zum Teil in dritter Generation in Deutschland leben.

Außerdem in diesem Theater: Die deutschen Autobahnen, die Kollektivschuld, das Weltjudentum und viele weitere alte Bekannte vom Grund der Klamottenkiste.

(Aus dem Dossier Rechtsextremismus, via Newsletter der Bundeszentrale für politische Bildung.)

June 26, 2008

Nicht das Volk ist doof. Nur die Regierung! – Sicher?

Filed under: Politics — Tags: , — martin @ 6:25 pm

Es ist keine Neuigkeit, daß Barack Obama Befürworter der Todesstrafe ist.

Mir drängt sich aber die Frage auf, warum man unbedingt die Todesstrafe befürworten muß, um im US-Präsidentschaftswahlkampf überhaupt eine Chance zu haben.

June 12, 2008

Besuch beim SPD-Allergologen

Filed under: Politics — martin @ 4:39 am

Fingerabdrücke im Personalausweis, bei der Tagesschau:

SPD-Fraktionsvizechef Fritz Rudolf Körper sagte, dass die SPD dem Optionsmodell zustimmen wolle. “Ein freiwilliger Ausweis mit Fingerabdrücken ist für uns ein gangbarer Weg.” Das sei auch die Linie Zypries’. Körper erklärte, durch die freigestellte Abgabe von Fingerabdrücken ließen sich die Ängste in der Bevölkerung zerstreuen, der Staat wolle Stück für Stück den gläsernen Bürger.

Das kenne ich vom Hautarzt:

Die Dosis wird mit der Zeit gesteigert, damit sich [der Bürger] daran gewöhnen und die Bildung [einer kritischen Meinung] reguliert werden kann.

Ich habe die passenden Stellen entsprechend im Zitat angepaßt.

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