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March 14, 2012

Wir Kinder vom Arsch der Welt

Filed under: Technology — Tags: — martin @ 7:25 am

Die Bewegung um die “Hackerspaces” geht mir auf den Zeiger.

Ich wohne heute mit Frau und Kindern in der selben Kleinstadt, im selben Haus, in dem ich auch meine Kindheit verbracht habe. Hier habe ich mit 12 Jahren meinen ersten Computer bekommen. Und konnte gleich von Anfang an in 64er und Happy Computer von sogenannten “Mailboxen” lesen. Die sollten aber für mich noch lange Zeit unerreichbar bleiben.

Meine Kumpels haben sich alle ausschließlich fürs Sammeln kopierter Spiele interessiert. So habe ich mich lange im stillen Kämmerlein am Commodore-BASIC abgearbeitet. Erst nach einiger Zeit, ich war um die 15, habe ich jemanden aus meiner Straße kennengelernt, der mir etwas 6510-Assembler beigebogen hat. Der zog leider nach seinem Zivildienst zum Studieren ins ferne Heidelberg. Da war ich plötzlich wieder auf mich allein gestellt. Am Ende habe ich den Rechner mangels Interesse sogar eine Weile eingemottet.

So mit 19, in der ersten eigenen Wohnung, in einer nochmal anderen Kleinstadt, fielen mir dann plötzlich doch ein gebrauchter 286er und ein 2400er Modem zu. In dieser Zeit frequentierte ich Stammtische nicht nur der MAUS-Mailbox in der nicht zu fernen Landeshauptstadt, sondern auch von FIDO-Mailboxen in irgendwelchen obskuren Nestern im Hinter- und Untertaunus.

Scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht, saßen da 10-20 Computerfreaks und tauschten sich über FOSSIL-Treiber, ISDN-Fernanschaltungen und Initstrings für Modems von Zyxel und US Robotics aus. Mit 20 Jahren Abstand kann ich kaum noch glauben, daß das damals wirklich alles stattgefunden hat.

Ich war gradezu beflügelt von den Möglichkeiten, die ich hatte. Die Karriere, die ab da ihren Lauf nahm, haben viele von euch sicher selbst durchgemacht. Vom Doppelanschluss der Bundespost, über Telefonrechnungen von 300 Mark (bei 600 Mark Lehrlingsgehalt), bis zum DSL-Anschluß von heute.

Als ich irgendwann selbst Nachwuchs bekam, habe ich dann erkannt: Wow, die Kinder und Jugendlichen von heute haben es ja richtig gut. Sie hängen absolut kostenlos an Papas und Mamas Internet. Sie können mit der ganzen Welt in Kontakt stehen und sich mit Informationen vollsaugen. Okay, die technischen Einstiegshürden für den Blick unter die Oberfläche sind heute höher als es das freundlich provokante READY.-Prompt des Commodore 64 war. Aber unüberwindlich sind sie wohl kaum.

Und jetzt kommt mit großem Tamtam die Hackerspace-Bewegung um die Ecke.

Ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie ich mit 15 in meinem Kuhdorf sitze. In der Happy Computer (noch nicht in Computer Live umbenannt) lese ich von teuren Modems, unerreichbaren Mailboxen und den ersten Chaos Communication Congressen im unermesslich fernen Hamburg.

Und ich sehe, wie heute jemand mit 16 in seinem Kuhdorf sitzt. Er liest auf Twitter von Hackerspaces, in denen die Musik spielt. Leider sind die aber unerreichbare 3 Stunden mit Bus und Bahn entfernt. Und dann geht er der Einfachheit halber mit seinen Kumpels Playstation zocken. Und trinkt ein paar Bier dazu. Ist auch billiger.

Und dann ist er ich. Ich bin 18 und verstaue den Commodore Amiga 500 mangels Interesse auf dem Dachboden. Er installiert den neuen Rechner ohne Arduino-IDE und meldet sich mit dem Internet Explorer bei Facebook an.

Treffs auf Dörfern und in Kleinstädten gibt es nicht mehr. In der nahe gelegenen Kreis- und Universitätsstadt ist sogar die LUG vor die Hunde gegangen. Der ländliche Raum vergreist und verblödet. Dagegen scheinen in den Großstädten die Hackerspaces bereits erste Revierkämpfe auszutragen.

Wir hätten den Spaß am Gerät ins Land hinaustragen können. Aber jetzt werden zentrale Enklaven in Ballungsräumen errichtet. Hackerspaces kosten Geld und können deshalb nur in der Stadt funktionieren. Und für Jugendliche vom flachen Land sind sie mal wieder unerreichbar.

Die Hackerspace-Bewegung bahnt hier keinen Weg für neues. Und deswegen erwischt sie mich so sehr gegen den Strich. So ungaublich viel technischer Fortschritt, und doch bleibt alles beim alten. Schade.

September 24, 2009

Do the Roomba

Filed under: Technology — martin @ 7:59 pm

Ordered a Roomba 560 (funny accent there) today. If I don’t show up at the office on monday, the machine has become sentient and I was vacuumed.

August 30, 2009

Wired, Juli 1997: The Long Boom

Filed under: Paranoia, Technology — Tags: , , — martin @ 12:19 pm

Beim Umziehen und Aufräumen fielen mir die Ordner mit archivierten Zeitschriften in die Hand. Zentnerweise Altpapier habe ich weggeschmissen. Ich wußte aber, daß sich irgendwo ein ganz besonderes Schätzchen verstecken müßte. Und tatsächlich:

thelongboom

Wir hatten 1997 ja nichts. Es gab kein Slashdot, kein Digg, keine Blogs, kein Twitter, keine Wikipedia. Na gut, wir hatten das Usenet. Google gab es übrigens auch noch nicht. Aber für den echt allerheißesten und visionären Shice gab es das Leitmedium WIRED. Erhältlich als Import am Bahnhofskiosk für 17 Deutsche Mark.

Im Juli 1997 werden in WIRED sensationelle technische Neuerungen beworben, wie z.B. der Apple Powermac 9600/200MP mit 2x200MHz. Auf vielen Werbebildern (und die gab es in WIRED wirklich im Überfluß) sieht man Röhrenmonitore, bei denen man sich fragen muß, wie die Statik gängiger Wohnungen das jemals ausgehalten haben kann.

WIRED stand auf jeden Fall an der Speerspitze so einer Art digitaler Revolution. Und WIRED sagte damals im Essay “The Long Boom” eine digitale Revolution voraus, die der Menschheit über Jahrzehnte Freiheit, Frieden und Wohlstand bringen würde.

Der Boom fällt aus. Das wissen wir hier in der “zivilisierten” Welt, und das wissen auch die ganzen armen Schweine in der dritten Welt, die heute so wenig zu beißen haben, wie vor 12 Jahren. Aber es kann ja auch sein, daß die ganzen Afrikaner eh nicht gemeint waren, als von “a better environment for the whole world” die Rede war. Davon, daß für jedes neue Gadget, das man sich kauft, ein Gorillababy abgemurkst wird, will ja auch keiner was wissen.

Auch WIRED wußte natürlich, daß möglicherweise doch nicht alles nach Plan laufen könnte und so wurden gleich “10 Scenario Spoilers” umrissen, die so genau den Nagel auf den Kopf treffen sollten, daß es heute schon fast erschreckend wirkt. Ich zähle mal nur die auf, die eingetreten sind:

2.
New technologies turn out to be a bust. They simply don’t bring the expected productivity increases or the big economic boosts.

3.
Russia devolves into a kleptocracy run by a mafia or retreats into quasicommunist nationalism that threatens europe.

6.
Major rise in crime and terrorism forces the world to pull back in fear. People who constantly feel they could be blown up or ripped off are not in the mood to reach out and open up.

8.
Energy prices go through the roof. Convulsions in the Middle East disrupt the oil supply, and alternative energy sources fail to materialize.

10.
A social and cultural backlash stops progress dead in its tracks. Human beings need to choose to move forward. The just may not…

Die Vorhersage über den “Long Boom” ist nicht eingetreten, aber die “Scenario Spoilers” haben den Nagel wirklich auf den Kopf getroffen. Herzlichen Glückwunsch dazu. 😦

January 21, 2009

Everything connected, everywhere

Filed under: Technology — Tags: , , — martin @ 7:31 am

The world has become so small. All information, no matter from which part of the world, is available at the touch of no more than a few buttons.

That is, until you’re stuck in a traffic jam in Germany and want to listen to a speech by the new president of the United States, not overdubbed with a German translation. Try to find that on the radio.

Fortunately, I was able to pick it up on AFN at 873 kHz, tuning in to AM radio for what must have been the first time in my life. It’s great to see this kind of low-tech still at work and being so useful.

Only the Queen listens to AM, and she doesn’t have a BMW M5!” (Youtube)

January 30, 2008

Paar Meilen unter dem Meer

Filed under: Technology — Tags: , — martin @ 7:29 pm

Im Mittelmeer hat es eine Handvoll Seekabel zerlegt. Das nutze ich mal als Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, daß Seekabel eine total spannende Angelegenheit sind.

Wer eine ausreichend große Aufmerksamkeitsspanne hat, kann für den Anfang Mother Earth Mother Board von Neal Stephenson lesen, in dem der Autor von verschiedenen spannenden Schauplätzen berichtet. (Leider ist der Artikel bei WIRED scheinbar schon so oft zwischen verschiedenen CMSen verschoben worden, daß das HTML-Markup zu gammeln beginnt.)

Animationen zur Verlegung und Reparatur von Seekabeln finden sich z.B. bei Alcatel-Lucent. Die Seite atlantic-cable.com beschreibt die Geschichte der Kommunikation per Seekabel seit ihren Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts.


(Foto: Tub Gurnard, CC-by)

Das International Cable Protection Committee hat u.a. ein Kataster aller wichtigen Seekabel online, wobei auch jene berücksichtigt sind, die nicht mehr in Betrieb sind. Selbstverständlich findet sich dort auch eine Liste der “Cableships Of the World”. Diese Schiffe bestehen im großen und ganzen aus gigantischen Kabeltrommeln, um die ein Schiffsrumpf herumgebaut wurde, zuzüglich natürlich der zur Verlegung erforderlichen Maschinen. (Update: Z.B. sehr schön als Schnittzeichung bei Tyco Telecom.)

Wenn eure Frauen oder Freundinnen mal ins Rosamunde-Pilcher-Land verreisen wollen, schlagt sofort zu, denn dort, in Porthcurno, an dem Ort, wo viele Jahre lang die meisten Seekabel von und zur britischen Insel anlandeten, befindet sich in einer Bunkeranlage im Fels ein Telegraphenmuseum. Wenn das kein Ort ist, den der Nerd von Welt vor seinem Tod gesehen haben muß, dann weiß ich nicht, was sonst in Frage käme. 😉

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