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April 21, 2013

Die Romantik der Überwachung

Filed under: Paranoia — Tags: , — martin @ 4:05 pm

Mein Aufreger dieses Tages ist ja dieser Spot von Coca-Cola:

Die Getränkefirma zeigt, “was Überwachungskameras sonst nicht zeigen”. Unter anderem:

  • Menschen, die Küsse stehlen – Ein sich küssendes Paar auf einer Bank.
  • Ehrliche Finder – Die anderen Menschen verlorene Gegenstände zurückgeben.
  • Liebende – Die es im Aufzug treiben.
  • Friedliche Kämpfer – Die “PEACE” an Wände sprühen.
  • Einige verrückte Menschen – Die bei der Arbeit lustige Tänze vollführen.

Das Problem dabei ist, dass die Überwachungskamera das vielleicht sonst nicht “zeigen”, aber es in jedem Fall filmen. Fragt sich, warum Leute überhaupt beim Küssen und beim Putzen gefilmt werden müssen. Warum stehen Menschen, die nichts verbotenes tun, unter Kamerabeobachtung?

Der Abgrund liegt hier übrigens direkt vor unseren Fußspitzen, denn der friedliche Kämpfer mit seiner Sprühdose ist dank Überwachung vielleicht im Folterknast seines politisch instabilen Heimatlandes gelandet und der tanzende Putzmann hat vielleicht seinen Job verloren. Die Widerstandskämpfer und verrückten Menschen des einen sind die Chaoten und arbeitsscheuen faulen Säcke des anderen.

Ich will hoffen, dass es sich hier um für den Werbespot gestellte Aufnahmen handelt, denn sonst wären alle Videos gleichzeitig perfekte Anschauungsstücke dafür, dass Videoüberwachung immer falsch ist. Wie sonst könnte es der Film mit den beiden Liebenden im Aufzug in die Öffentlichkeit geschafft haben? Coca-Cola tut jedenfalls nichts, um sich davon zu distanzieren, dass intime Momente hier (vorgeblich) rechtswidrig veröffentlich wurden. Empfindsamkeit für Privates: Null.

“Lasst uns die Welt mit anderen Augen sehen.” – Schade, dass Coca-Cola zu einem solchen Motto nichts besseres einfällt, als ein verharmlosendes und romantisierendes Bild der allgegenwärtigen Videoüberwachung zu zeichnen.

February 12, 2008

Alles aufgegessen?

Filed under: Paranoia — Tags: , — martin @ 6:32 pm

Eine niederländische Universität führt laut Spiegel Online eine Studie durch, zu der unter anderem gehört, daß den Eßgewohnheiten von Kantinenbesuchern per sehr detaillierter Videobeobachtung auf den Grund gegangen wird. Die Teilnehmer wissen, daß sie überwacht werden und haben sich freiwillig für die Studie gemeldet.

Der verlinkte Artikel zitiert eine der freiwilligen Teilnehmerinnen wie folgt:

“Ich habe immer das Gefühl, ich muss aufessen, was ich mir auf den Teller getan habe.” Schließlich wolle man ja gut rüberkommen.

Diese Dame, die freiwillig an einer wissenschaftlichen Studie teilnimmt, wird also durch ein halbes Stündchen täglicher, freiwilliger Kamerabeobachtung bereits in ihrem Denken und Handeln beeinflußt. Wer will da noch behaupten, daß allgegenwärtige Kameraüberwachung im öffentlichen Raum keine vergleichbaren oder noch drastischeren Folgen hat?

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